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Prutsch

Die Charte constitutionnelle Ludwigs XVIII. in der Krise von 1830

Verfassungsentwicklung und Verfassungsrevision in Frankreich 1814 bis 1830
Tectum,  2006, 204 Seiten, broschiert

ISBN 978-3-8288-9079-4

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Die Charte constitutionnelle, die 1814 als neue, dem monarchischen Prinzip verpflichtete Konstitution des wiedererrichteten Königtums durch Ludwig XVIII. oktroyiert worden war, sollte das politische Leben Frankreichs in der Ära der Restauration bestimmen. Sie steht im Mittelpunkt vorliegender Abhandlung, in der der Autor – gestützt auf einen umfangreichen Quellenfundus und in differenzierter Auseinandersetzung mit der Fachliteratur – zu einer überzeugenden Analyse ihrer Entstehung und Anwendung sowie zu einer tief schürfenden Interpretation ihrer Krise und Revision im Jahre 1830 gelangt. Herausgearbeitet wird, dass eine flexiblere und gegenüber neuen Anforderungen und Ansprüchen sensiblere Politik den Fortbestand der Charte von 1814 ermöglicht hätte. War König Ludwig XVIII. fähig und willens, „Restauration“ nicht mit „Reaktion“ zu verwechseln, so ließ dessen Nachfolger Karl X. jene Weitsicht vermissen. In Konsequenz wuchs sich das systemimmanente Konfliktpotential zu einem ausgeprägten Verfassungskonflikt aus, der 1830 in der Julirevolution kumulierte, Anstoß gab für eine umfassende, den pouvoir constituant wieder auf die Nation zurückführende Überarbeitung der Charte, und auch das Ende der bourbonischen Dynastie bedeutete. Dies tat der werbenden Kraft des französischen Verfassungsexperimentes von 1814 im europäischen Umfeld jedoch keinen Abbruch, wie in der Arbeit schlüssig dargelegt wird. Ein System nach Art der Charte nämlich offerierte den regierenden Fürsten eine Alternative zur „revolutionären Konstitutionalisierung“ nach dem Konzept des Abbé Sieyès, indem es Gelegenheit bot, den monarchischen Souveränitätsanspruch mit den freiheitlichen Aspirationen der Völker zu vereinbaren. Damit avancierte Frankreich einmal mehr nach 1789 zum Vorbild für Europa: War es dereinst die „Revolution von unten“, die als Fanal für den Kontinent diente, so war es nunmehr die „Revolution von oben“, die Schule machen und den Konstitutionalisierungsprozess im gesamten 19. Jahrhundert über bestimmen sollte. Zum Autor: Markus J. Prutsch, geboren 1981, studierte Geschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Salzburg und Heidelberg. Im Dezember 2005 wurde ihm in Wien der Würdigungspreis des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur verliehen.

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